Journalismus ohne Zukunft

„Wozu brauchen wir noch Journalisten?“ war der provokante Titel einer Vortragsreihe des ZIB2-Anchors Armin Wolf an meiner Alma mater. Damals war ich beruflich in München und konnte die Vorlesung nicht hören, doch jetzt hab ich das Büchlein zufällig in der örtlichen Bücherei entdeckt.

In den zehn Jahren seit Erscheinen des Buches haben sich viele damalige Tendenzen der Medienbranche – Auflagenrückgang, Kosten- und Zeitdruck, Marktkonzentration, Message Control, Fake News, … – noch verschärft, hinzu kommt die Konkurrenz durch KI (wer allerdings jemals journalistische Texte aus der Feder von ChatGPT & Co. gelesen hat, weiß, warum die Konkurrenz nur vermeintlich ist).

An der grundsätzlichen Aussage, dass eine demokratische Gesellschaft unabhängigen Journalismus braucht, hat sich – no na net – nichts geändert. Ich arbeite bevorzugt mit Journalist:innen zusammen, die mit kritischen Fragen wunde Punkte aufzeigen – oder zumindest durch Nachhaken signalisieren, dass sie das Thema verstehen wollen. Und davon gibt es zum Glück noch eine ganze Menge, die trotz all der oben genannten Probleme die gesellschaftlichen und eigenen Qualitätsansprüche hochhalten.

Auch Wolf bleibt in seinem Buch optimistisch, was die Zukunft der Branche angeht: Vielleicht wird es in 100 Jahren keine gedruckten Zeitungen mehr geben. Aber wichtiger als die Verpackung ist ohnedies der Inhalt journalistischer Arbeit: „Die Unterscheidung zwischen wichtig und unwichtig, wahr und unwahr, Sinn und Unsinn ist die Kernkompetenz professioneller Medien, Redaktionen und Jounalisten.“

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