Warum Geschichten?

Wie bitte? Eine Geschichte? Was sollen Sie bitteschön mit einer Märchenstunde anfangen?

Keine Märchen. Keine Gschichtln. Sondern eine Geschichte, mit der Details und Informationen dramaturgisch so miteinander verknüpft werden, dass aus den einzelnen Punkten – ähnlich wie bei einem Zahlenbild – eine schlüssige Erzählung wird. Also ein Narrativ, um es wissenschaftlich zu benennen, oder Storytelling, wie es im Neusprech der Marketing-Seifenblasenwelt heißt.

Die Menschen erzählen sich seit jeher Geschichten, um das Chaos der Welt zu ordnen. Die Jahrtausende haben es in unsere Synapsen gemeißelt, dass wir Informationen, Verhaltensregeln, soziale Normen besser verarbeiten, akzeptieren und umsetzen können, wenn sie in ein Narrativ verpackt sind.

Geschichten bieten zahlreiche Vorteile:

  • Emotion: Trockene Zahlen lösen keine Gefühle aus. Was hilft es uns zu wissen, dass der reichste Mann der Welt ein Vermögen von knapp 200 Milliarden Dollar hat? Da ist es doch viel lustiger, zu wissen, dass er mit dem Geld jedem Menschen auf der Welt fünf Döner kaufen könnte.
  • Identifikation: Jahrelang wurde über den Klimawandel geschrieben, und keinen hat es gejuckt. Bis eine junge Schwedin in Schulstreik ging und zur Identifikationsfigur für eine ganze Generation wurde.
  • Projektion: Der schmächtige David besiegt den Riesen Goliath: Geschichten sind nicht in sich geschlossen, sondern weisen zeitlich und räumlich über sich hinaus – so werden sie zu Orientierungspunkten für spätere Erfahrungen.
  • Motivation: Welches Kind wollte nicht einmal Robin Hood sein und von den Reichen nehmen, um den Armen zu geben? Durch Geschichten werden Personen zu Akteur*innen und Vorbildern und regen zur Nachahmung an.