Attack of the KI-Tomatoes!

Warum ich dem aktuellen KI-Hype in der PR-Branche kritisch gegenüberstehe. Und Welches Buch mich in eine Rage against the Machine versetzt.

Eine neue Kuh wird durchs Dorf getrieben: Künstliche Intelligenz (KI) in der Pressearbeit ist der heiße Scheiß, überall schießen Kursangebote für die ach so umfangreichen Anwendungsmöglichkeiten der KI in der Kommunikation aus dem Boden. Selbsternannte Gurus preisen die Vorzüge der Automatisierung wie den heiligen Gral an. Was davon ernsthaft Erfolg verspricht und was bloße Spielerei bleibt, wird sich erst zeigen.

Keine Frage: KI verändert derzeit in rasantem Tempo viele wirtschaftliche, technische und gesellschaftliche Bereiche. An Einsatzgebieten herrscht kein Mangel und die Fortschritte sind beachtlich. Und mitunter ist es auch sehr unterhaltsam zu sehen, woran die KI noch scheitert, vor allem im Bildbereich – ich denke da nur an die schier unlösbare Frage, wie viele Finger ein Mensch hat. Dem ernsthaften Einsatz von der KI in der Medienarbeit stellen sich aber unüberwindbare Grenzen – noch.

Wie sich KI den reißerischen Titel dieses Blogbeitrags vorstellt.

Durchschnittsware

Das liegt unter anderem an der Art und Weise, wie KI Texte generiert: Die Large Language Models errechnen den Durchschnitt aus Tausenden Texten und generieren anhand der Prompts einen neuen Text, der – nun ja – durchschnittlich ist. Das ist durchaus sinnvoll für Gebrauchstexte wie Produktbeschreibungen in Webshops, Website-Texte oder auch Blogbeiträge (manche meiner Kolleg:innen, die sich auf diese Art von Texten spezialisiert haben, verzeichnen aktuell massive Umsatzrückgänge). Aber für die Pressearbeit, bei der es darum geht, aus der Masse herauszustechen, ist dieser Zugang Gift. „Produkt XY revolutioniert den YZ-Markt“, war einmal der Vorschlag der KI als Überschrift für einen Pressetext – da schnarchen ja die Redaktionen weg, bevor sie auf „E-Mail löschen“ klicken können!

Hinzu kommt der menschliche Faktor: Ein persönliches Hintergrundgespräch im Kaffeehaus, eine nette Unterhaltung bei einer Pressekonferenz, selbst ein kurzes Plauscherl am Telefon sind in der Medienarbeit viel wirkungsvoller als jeder noch so geschliffene Pressetext – egal ob aus menschlicher Feder oder von der KI verfasst.

Echokammern

Zumindest, solange noch Menschen in den Redaktionen sitzen: Wozu es führen kann, wenn KI mit Social-Media-Algorithmen Pingpong spielt, das hat der deutsche Autor Marc-Uwe Kling (ja, der von den Känguru-Chroniken und dem Neinhorn) in seinem brandaktuellen Thriller „Views“ durchdekliniert: Ohne jetzt den Inhalt spoilern zu wollen – die diabolische Banalität des eigentlichen Verbrechens hat mich in eine regelrechte Rage against the Machine versetzt.

Das 20. Jahrhundert hat uns gelehrt, dass wir dem geschriebenen Wort nur begrenzt Glauben schenken dürfen. Das 21. Jahrhundert wird uns dieselbe Skepsis gegenüber Bildern und Videos in den Kopf prügeln.

Ein Kommentar zu “Attack of the KI-Tomatoes!

Hinterlasse einen Kommentar